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Mit dem “Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung”, das in Anwesenheit der Bundeskanzlerin vergangene Woche eröffnet wurde, ist in Berlin ein wichtiger Ort der Erinnerung an das Leid der Heimatvertriebenen entstanden. Dafür haben CDU und CSU politisch lange gekämpft und sich am Ende gegen viele Kräfte durchgesetzt, die das Zentrum zu verhindern versuchten. Ein Platz, an dem vor allem auch dem Unrecht gedacht wird, das Deutschen am Ende des Krieges angetan wurde, Menschen und deren Nachfahren, die fliehen mussten, vertrieben wurden – oft unter unmenschlichen und traumatischen Bedingungen – finden hier einen Ort der Erinnerung. Knapp 12 Millionen deutsche Vertriebene sind aus den früheren deutschen Gebieten, dem Sudetenland und Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa in die Bundesrepublik Deutschland geflohen oder vertrieben worden.

Vertrieben, weil sie Deutsche waren, heimatlos geworden von einem Tag zum anderen; so erging es nicht nur Millionen Vertriebenen nach Kriegsende, so erging es auch Millionen Russlanddeutschen schon 1941. Gemeinsam war allen Betroffenen nicht nur der Verlust der Heimat und ihrer ökonomischen Grundlagen, sondern vielfach auch der Verlust ihres gesellschaftlichen Status. In Berlin haben sie nun einen Ort des Gedenkens, aber auch der Dokumentation und Forschung bekommen, der heilsam ist. Denn oft wurde ihr Schicksal totgeschwiegen, wie die Ausstellung am Beispiel der Vertriebenen in der DDR zeigt. Mit dem Dokumentationszentrum wird bewiesen, dass Erinnern möglich ist, ohne anklagen zu wollen. Dabei wird nicht vergessen, die Bezüge herzustellen zu den Verbrechen Deutschlands, zum Krieg, aber auch zu den Vertreibungen der Juden, die dem Holocaust und dem Eröffnung des 2. Weltkriegs durch Deutschland vorausgingen. All dies war Ausgangspunkt und Ursache für die späteren Vertreibungen der Deutschen.

Vertreibungen, ethnische oder religiöse Säuberungen sind ein Trauma für alle Betroffenen. Es ist eine humanitäre Katastrophe, dass so etwas heute immer noch an vielen Orten der Welt geschieht. Deshalb ist es gut, dass es in der Ausstellung auch Bezüge zu aktuellen Ereignissen gibt. Unsere heutige Humanität ist nicht zuletzt aus den eigenen bitteren Erfahrungen gewachsen und sie mahnt uns heute zur Hilfe für Menschen, die zur Flucht gezwungen sind. Gleichzeitig wird mit der Ausstellung eigene Geschichte spürbar. Denn unser Land wurde nach dem 2. Weltkrieg maßgeblich auch von den Vertriebenen wieder aufgebaut, die sich eine neue Heimat schufen, ohne die alte zu vergessen. Damit schließt sich der Kreis, denn im Dokumentationszentrum wird auch daran erinnert, dass wir in der EU seit Jahrzehnten friedlich zusammenleben, weil wir den Kreislauf des Revanchismus durchbrochen haben, weil wir nicht altes Leid durch neues Leid zu heilen versuchen. Nie mehr Flucht, nie mehr Vertreibung, nirgendwo, das muss unser Ziel sein, auch wenn es manchmal unerreichbar erscheint.