Mein Name ist  Manca Pocivavsek Janhar und habe in Ljubljana Rechtswissenschaften studiert. Während des Studiums habe ich mich für das öffentliche Recht interessiert, deshalb habe ich mich in meinem juristischen Masterstudium für die Staatslehre spezialisiert. Trotz meiner Interessen habe ich meine erste Beschäftigung im Notariat gefunden, aber meine Wünsche in öffentlichen Recht zu arbeiten sind geblieben.

Als ich vom IPS-Programm zum ersten Mal gehört habe, habe ich mich entschieden, es mit der Bewerbung zu versuchen. Und was ist eigentlich das IPS-Programm? Das Internationale Parlaments-Stipendium ist ein Programm des Deutschen Parlaments, das jungen politisch- interessierten Leuten aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, Zentralasien oder arabischen Ländern eine Gelegenheit gibt, für fünf Monate das deutsche parlamentarische System kennenzulernen und dadurch mittelbar die Demokratien in ihren Heimatländer zu stärken. Es war für mich sehr überraschend, dass es ein solches Programm überhaupt gibt, sodass ich nach dem erfolgreichen Auswahlgespräch keinen Zweifel an der Richtigkeit meiner Entscheidung mehr hatte.

Das Programm fing im März 2019 an. Zuerst gab eine einmonatige Vorbereitung auf den Beginn des Praktikums mit verschiedenen Vorträgen. Obwohl ich während der Vorbereitung viel über das deutsche politische System, Gesellschaft und Geschichte gelernt habe, war ich am Sonntag den 31. März, genau einen Tag vor dem Beginn des Praktikums sehr verzweifelt. Damals hatte ich viele Ängste, am meisten haben sie meine Deutschkenntnisse betroffen. Später haben sich fast alle Ängste als unberechtigt und unnötig erwiesen. Natürlich, gab es viel Raum um mein Deutsch zu verbessern, aber am wichtigsten war es mir, dass alle im Büro Verständnis dafür hatten.

Am ersten Tag des Praktikums wurde ich sehr schön empfangen. Die Mitarbeiter im Büro haben mir von den Aufgaben und Hauptthemen, mit denen sich der Abgeordnete beschäftigt, erzählt. Da schon die erste Woche eine Sitzungswoche war, konnte ich sofort die Arbeitsgruppe Innen der CDU/CSU und den Ausschuss für Inneres und Heimat besuchen. Bei jedem Besuch des Ausschusses oder der Arbeitsgruppe versuchte ich der Diskussion zu folgen und es war Interessant zu beobachten, wie die politische Auseinandersetzung aussieht. Während der Sitzungswochen habe ich auch andere außerparlamentarische Veranstaltungen besucht. Natürlich war es mir schon früher klar, dass parlamentarische Arbeit nicht nur in Plenarsitzungen und den Ausschüssen besteht, aber trotzdem war ich überrascht davon, an wie vielen wichtigen Terminen die Abgeordnete teilnehmen. Allen Mitarbeitern im Büro bin ich sehr dankbar, dass ich sie begleiten durfte. So hatte ich Gelegenheit an verschiedenen parlamentarischen Frühstucken, Gesprächen mit Wissenschaftlern und auch an lockeren Empfängen teilzunehmen.

Die Wochen zwischen jeweiligen Sitzungswochen waren ganz anders – da gab es Zeit in Ruhe über die kommenden aktuellen Themen zu recherchieren und auf die Briefe von Wählern zu antworten. Dabei hatte auch ich kleine Aufgaben wie aktuelle Presse zu lesen, Post zu sortieren, Entwürfe von Briefen zu formulieren und auch über verschiedenen Themen zu recherchieren. Da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, waren manchmal schon die Kleinigkeiten, wie eine Antwort auf die E-Mail zu formulieren, eine Herausforderung. Glücklicherweise habe ich von allen im Büro Unterstützung gefunden.

Eine von solchen „Sitzungsfreien“ Wochen war ganz besonders – eine Woche im Wahlkreis des Abgeordneten – Hamburg. Ich hatte wirklich Glück, dass der Wahlkreis von Herrn de Vries Hamburg – Mitte war und damit hatte ich die Gelegenheit die zweitgrößte Stadt Deutschlands zu besuchen. Dort habe ich die Arbeit im Wahlkreisbüro kennengelernt. Eigentlich waren wir fast gar nicht im Büro, weil ich den Abgeordneten zu verschiedenen Wochenmärkten begleitet habe. Dort haben wir die Informationsflyer über die parlamentarischen Tätigkeiten des Abgeordneten verteilt. Dabei hat mir sehr gefallen, dass obwohl es keine kommenden Wahlen gab, er sehr zugänglich war und in lockeren Gesprächen über seine Arbeit im Bundestag erzählt hat. Diese Gespräche sah ich als Brücke zwischen Wählern und  Berliner Politik.

Als meine Heimat vor 28 Jahren unabhängig geworden war, spielte Deutschland bei der Demokratisierung Sloweniens eine wichtige Rolle – nicht nur, dass Deutschland der erste Staat war, der Slowenien anerkannt hat, sondern das Grundgesetz war auch ein Vorbild für die neue slowenische Verfassung. Es freut mich, dass Deutschland mit Austauschprogrammen wie IPS, sich noch weiter um die Verankerung der neu entstandenen Demokratien in Osteuropa kümmert. Ich bin sowohl dem Deutschen Bundestag als auch dem Büro von Christoph de Vries dankbar für die Gelegenheit, die Demokratie in der Praxis zu beobachten und letztlich auch für die gegebene Möglichkeit meine eigenen Interesse zu vertiefen.