Der 76. Sudentendeutsche Tag findet an diesem Pfingstwochenende auf Einladung der tschechischen Bürgerinitiative Meeting Brno erstmals im tschechischen Brünn statt. Damit wird das traditionsreiche Treffen der Sudentendeutschen erstmals in ihrer historischen Heimat veranstaltet. Das Motto: „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“ steht dabei für Dialog, Verständigung und europäische Versöhnung. Dieses Ereignis ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Tag des Gedenkens, der Begegnung und auch des so wichtigen Austauschs zwischen Deutschen und Tschechen. Hunderttausende sudentendeutsche Familien, darunter auch die Familie meiner Mutter, wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat vertrieben und fanden später insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg eine neue Heimat. Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung prägt auch heute noch viele Familien. „Sudetendeutsche“ sind die in etwa drei Millionen deutschsprachigen Menschen, die bis zum Zweiten Weltkrieg in den böhmischen und mährischen Regionen lebten. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft setzt sich für die Bewahrung der sudetendeutschen Identität, Kultur und Traditionen sowie für einen gerechten Ausgleich mit der Tschechischen Republik ein.
Auch heute gibt es eine deutsche Minderheit in Tschechien. Bei der Volkszählung 2021 bekannten sich rund 24.000 Menschen zur deutschen Nationalität, zehn Jahre zuvor waren es noch in etwa 18.700 Personen. Diese Entwicklung zeigt auf, dass die deutsche Kultur und Identität in Tschechien weiterhin präsent sind.
In Tschechien löste der Ort der Veranstaltung bereits im Vorfeld Proteste aus, vorrangig im rechtsextremen und kommunistischem Spektrum. Auch sorgte eine Entschließung im Abgeordnetenhaus gegen diese Veranstaltung für Diskussionen. Dies ist umso unverständlicher, weil die Veranstaltung ausdrücklich im Zeichen der Versöhnung und des ausgezeichneten langjährigen Miteinanders der tschechischen und deutschen Zivilgesellschaft steht.
Höhepunkte des diesjährigen Treffens sind die Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreises, der Friedensmarsch von Pohrlitz nach Brünn sowie die zentrale Hauptkundgebung. Erwartet werden der Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder, sowie Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der damit die Bedeutung der Vertriebenenarbeit, der Erinnerungskultur, sowie der deutsch-tschechischen Verständigung unterstreicht. Auch finanziell fördert das Bundesinnenministerium Projekte der Vertriebenenarbeit und deutschen Minderheit in Tschechien und leistet damit einen kleinen Beitrag zur Stärkung des friedlichen Miteinanders und der deutsch-tschechischen Beziehungen.
Damit setzt der Sudetendeutsche Tag ein wichtiges Zeichen für Erinnerung, Begegnung und Versöhnung in Europa. Gerade in Zeiten immenser internationaler Herausforderungen zeigt diese Veranstaltung, wie wichtig Dialog, gegenseitiger Respekt und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für ein friedliches Miteinander in Europa bleiben
Fotoquelle: www.sudeten.de








